Bürgerversicherung zu Lasten der GKV?

hospital-bed-315869_1280Bürgerversicherung : würde diese tatsächlich zur Reduzierung von Arbeitsplätzen in der privaten Krankenversicherung führen, weil die private Krankenvollversicherung eingestampft wird? In einem Bericht in von T-online wird dies zumindes angesprochen.
Im Focus stehen aus unserer Sicht eher die gesetzlichen Krankenkassen mit einem Verwaltungsapparat, der schon „sagenumwoben“ ist.

Warum?
Die die Idee der Bürgerversicherung ist keineswegs neu, auch stehen Erfahrungen aus dem europäischen Nachbarstaaten diesbezüglich zu Verfügung. Einige Länder haben eine Einheitsversicherung mit Basisleistungen, in die jeder Bürger, mit Ausnahme vielleicht von höheren Beamten, einzahlt und versichert ist. Zusatzleistungen werden über private Anbieter abgedeckt, vergleichbar mit unserem System der privaten Krankenzusatzversicherung.

118:43 – wer löst hier wen auf?

Auf Grundlage einer Bürgerversicherung bleiben für die Anbieter privater Zusatzversicherungen die Geschäftsfelder bestehen. Zwar fällt dann die Vollkostenversicherung weg, aber daraus eine so hohe Arbeitslosigkeit abzuleiten? Wir sehen das Thema eher bei den gesetzlichen Krankenkassen.
Laut „Statista“ liegt die Anzahl der gesetzlichen Krankenkassen im Jahr 2016 bei 118 Stück, private Krankenversicherer gibt es hingegen 43. Private Krankenversicherer unterscheiden sich jedoch auf Grund der Tarifbedingungen teilweise massiv im Leistungsspektrum, währen die gesetzlichen Kassen durch das Sozialgesetzbuch in der Leistungsdifferenzierung eingeschränkt sind. Braucht es da wirklich noch 118 Kassen?

Zusatzversicherungen werden dann verstärkt nachgefragt.

Eine medizinische Basisversorgung kann für den Patienten schwierig werden. 6 Stunden im Wartezimmer, lange Wartezeiten auf Konsultationen bei Fachärzten, Minimalstversorgung im therapeutischen Bereich…. Das gibt es alles schon, bei unseren Nachbarn. Zusatzversicherungen helfen dann, ein Zweibettzimmer im Krankenhaus mit Facharztbehandlung zu erhalten. Immerhin gibt die Versicherung Kostendeckungszusage direkt an das Krankenhaus. Allein das gibt beiden Parteien, dem Patienten und dem Behandler, die notwendige Sicherheit im Bezug auf Kostendeckung und Therapiemöglichkeiten.
Zahnzusatzversicherungen und Krankenhauszusatzversicherungen werden dann verstärkt nachgefragt werden. Zusatzversicherungen für den ambulanten Privatarzt inklusive Kostenübernahme für High End Medikamente sind heute schon verfügbar. Aufgrund der Prämienhöhe stehen diese Möglichkeiten jedoch nur Besserverdienenden zur Verfügung. Sicherlich wird es in Zukunft dafür auch Lösungen geben. Eine Nachfragesteigerung dürfte dann auch in diesem Bereich einsetzen.

Fazit

Natürlich muss eine Änderung kommen, beide Versicherungssysteme müssen überdacht werden. Während sich die Private jedoch neu erfinden kann, könnte die Bürgerversicherung bei der Gesetzlichen tatsächlich zu massivem Stellenabbau führen. Ob das auch passiert, oder ob es wiedermal politische Kompromisse zu Lasten vieler und zum Nutzen weniger geben wird, bleibt abzuwarten.

Alle Selbstständigen in die GKV? Bürgerversicherung?

GKV Bürgerversicherung für Alle?

Die Bertelsmann Stiftung empfiehlt aktuell, alle Selbstständigen, deren Einkommen unter einer gewissen Grenze liegt, in die gesetzliche Krankenversicherung zu überführen. Die Private Krankenversicherung steht indirekt in der Kritik, berechtigt oder auch nicht. Das Thema Bürgerversicherung lauert im Hintergrund. Es tut sich was, man kann es fast fühlen. Verschließen kann und sollte man die Augen vor dem kommenden nicht, die berechtigte Frage: Wie machen es die anderen, gibt es Lösungsansätze?

Andere Länder, andere Lösungen?

In einigen, auch europäischen Ländern wird ein recht simpler Ansatz seit Jahren umgesetzt. Bis auf eine kleine Gruppe von Personen ( Richter, Staatsanwälte, und leitende Beamte) gibt es für die Bevölkerung eine Basisversorgung. Nur absolute Grundbedürfnisse werden abdeckt, nur das notwendigste geleistet. Der Rest läuft über private Zusatzpolicen. Darstellbar ist dies für die Bevölkerung deshalb, weil die Prämien für die gesetzliche Grundabsicherung gering sind.
Ein Modell für Deutschland? Die Private Krankenversicherung könnte sich, zumindest aus meiner Sicht, entsprechend umstellen: die Vollkostentarife in Zusatztarife umwandeln und ambulante, stationäre und zahnmedizinische Versorgung auf Privatpatientenniveau sicherstellen. Da könnten sogar Alterrückstellungen berücksichtig werden. Ob aber eine notwendige Veränderung der gesetzlichen Kassen auch funktionieren würde?

Demnächst 25% des Einkommens nur für die Krankenversicherung?

Der Bruttolohn in Deutschland lag im Jahr 2015 durchschnittlich bei ca. 3600€ monatlich pro Arbeitnehmer. Ohne Pflegeversicherung entspricht das einen Krankenkassenbeitrag von über 500€ monatlich- da ist auch der Anteil dabei, den der Arbeitgeber bezahlt. Kommen Pflegeversicherung und Zusatzbeitrag hinzu, können 600€ Monatsprämie zügig überschritten werden.

Würden nun Einheitsversicherungen kommen, bei denen sich jeder nochmal extra mit Zusatzpolicen absichern müsste, würde das bei einer 40-jährigen Person wie folgt aussehen:

  • Ambulante Zusatzversicherung: ca 170€ / Monat
  • Stationäre Zusatzversicherung:  ca    50€ / Monat
  • Zahnzusatzversicherung         :  ca    55€ / Monat

In Summe: 275€ ( ja, es geht auch billiger, dann aber mit weniger Leistung), jeden Monat, zusammen mit der GKV (rund 600€) fehlen nicht mehr viel zu 900€ Gesamtprämie. Nun mag man einräumen, dass der Arbeitgeberanteil ja nicht zur Gesamtprämie hinzuzurechnen ist, das zahlt ja der Arbeitgeber und nicht der Angestellte. Aus meiner Sicht muss jeder Arbeitnehmer natürlich mit seinem Arbeitsertrag diesen Posten, wenn auch indirekt, miterwirtschaften. Die Nettovariante sieht je nach Steuerklasse noch schlechter aus, bei Mitversicherung von Kindern ist der Ofen dann ganz aus. Pro Kind werden, wenn auch geringere, Prämien für die private Zusatzversicherung fällig.

GKV in Kombination mit der betrieblichen Krankenversicherung?

Ein neues Versicherungssystem ist sicherlich notwendig. Dafür muss sich jedoch das System der gesetzlichen Krankenkassen massiv und nachhaltig ändern.
Folgende Fragen können in einem solchen Prozess eine Rolle spielen:

  • Ist die momentane Beitragshöhe gerechtfertigt?
  • Brauchen wir wirklich 118 gesetzliche Krankenkassen in Deutschland?
  • Wie hoch ist das tatsächliche Budget, welches allein für die Behandlung von Patienten benötigt wird?
  • Wieso sind in Deutschland die Medikamentenpreise um ein vielfaches höher als in anderen Ländern?
  • Ist das System einer herkömmlichen Versicherung überhaupt noch das richtige?
  • Kann die private, betriebliche Krankenversicherung gefördert werden um leistungsstarke Zusatztarife zu günstigen Prämien anzubieten?
  • Sollte gesunder Lebenswandel belohnt werden?
  • Welchen Stellenwert hat Prävention?

Die Forderung nach mehr GKV statt PKV taucht hin und wieder auf, doch ohne Veränderungen auf beiden Seiten wird es nicht funktionieren. Ein konstruktiver Dialog kann helfen, vielleicht wird in so einem Prozess das große Potential der privaten, betrieblichen Krankenversicherung erkannt. Zu wünschen wäre es.

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