Kostenerstattungsprinzip = Kostenfalle?

Das Kostenerstattungsprinzip in Kombination mit einer Zusatzversicherung ermöglicht einem Mitglied der gesetzlichen Krankenkasse die Behandlung als Privatpatient. Diese Möglichkeit ist relativ neu, nur wenige Mitglieder der Gestzlichen Krankenkasse sind bisher aktiv darüber informiert worden.

Aktive Abwehrmaßnahmen der Gesetzlichen Krankenkassen?

Die Informationen, die bezüglich des Kostenerstattungsprinzips an die Mitglieder herausgehen, sind selten vollständig, manchmal aber auch einfach nicht zutreffend.
Die normalen Leistungen, also die Leistungen ohne das Kostenerstattungsprinzip, wären
hervorragend. Eine gesetzliche Krankenkasse behauptet sogar, dass „grundsätzlich jeder Patient Anspruch auf eine qualitativ hochwertige Behandlung nach dem neuesten Stand des medizinischen Wissens hat.…. alles, was zur Gesundung oder zur Linderung von Krankheiten erforderlich ist, steht jedem Versicherten zur Verfügung“.

Dabei ist eine solche Krankenkasse an das Wirtschaftlichkeitsgebot gebunden. Dort steht was völlig anderes im Gesetz:  Die Leistungen müssen ausreichend, zweckmäßig und wirtschaftlich sein; sie dürfen das Maß des Notwendigen nicht überschreiten. Leistungen, die nicht notwendig oder unwirtschaftlich sind, können Versicherte nicht beanspruchen, dürfen die Leistungserbringer nicht bewirken und die Krankenkassen nicht bewilligen.

Wie kann dann alles nach neuestem Stand der Wissenschaft versichert sein? Müsste es nicht heißen, dass alles nach dem neusten Stand der Wissenschaft versichert ist wenn es denn ausreichend, zweckmäßig und wirtschaftlich ist?

Es gibt Situationen, da ist ein sehr guter Schutz besser als ein ausreichender Schutz.

Es gibt Situationen da ist ein sehr guter Schutz besser als ein ausreichender Schutz.

Kostenerstattung ist das Modell der Zukunft

Kunden, die eine Behandlung außerhalb des Wirtschaftlichkeitsgebotes erhalten wollen, entscheiden sich für eine Behandlung als Privatpatient. Die Therapien werden nach Kriterien der ärztlichen Kunst ausgewählt, die Heilung oder zumindest Linderung, nicht aber „Wirtschaftlichkeit“ bevorzugen.
Für Mitglieder der Gesetzlichen Krankenversicherung ist die Behandlung als Privatpatient mit dem Kostenerstattungsprinzip in Verbindung mit einer entsprechenden Zusatzversicherung darstellbar. Hier entfallen die Budgetierungen, Wartezeiten und Behandlungsbeschränkungen.

Kostenerstattungsprinzip = Kostenfalle?

Ja! Wer nicht vor der Wahl des Kostenerstattungsprinzips einegeeignete private Zusatzversicherung abschließt, zahlt die meisten Kosten eine privatärztlichen Behandlung selbst.

Eine Krankenkasse beziffert diese Kostenunterschiede wie folgt:

Behandlung einer Sehstörung:  privatärztliche Rechnung 409€, die Kasse übernimmt nur 72€
Ambulante Krampfader OP: privatärztliche Rechnung 690€, die Kasse übernimmt nur 300€

Die Restkosten würde in diesem Fall eine geeignete, private Zusatzversicherung tragen. Die Kostenfalle besteht dann also nicht mehr.

Jedoch tut sich eine andere Frage bei diesem Berechnungsbeispiel auf: Wieso sind die Kostenunterschiede vom gesetzlichen Kassensystem zur privatärztlichen Behandlung so hoch?
Steckt sich der Arzt mehr Honorar für dieselbe Arbeit ein? Das wird zwar gern unterstellt, ist aber nicht unbedingt glaubhaft.  Könnte es sein, dass es doch eine Zweiklassenmedizin gibt?
Kann es sein, dass eine „ ausreichende, zweckmäßige und wirtschaftliche“ Behandlung eben doch nicht der ärztlichen Kunst von Heilung und Linderung entspricht?

Der Weg der Kostenerstattung ist unserer Meinung nach der Weg der Zukunft. Hier wird transparent was vorher nebulös war. Der Patient erhält Einblick in die Abrechnungen, trifft mit dem Arzt zusammen selbstständig Therapieentscheidungen und übernimmt dadurch auch selbst Verantwortung.

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